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<<< Gerechtigkeit kann man kaufen >>>
Badische Zeitung vom Donnerstag, 12. Februar 2004
Von JuZ-Mitarbeiterin Antonia Kurz
Apfel-Mango-Saft vom Kaiserstuhl und den Philippinen: Kunden im Weltladen erleben so manche
Überraschung. Weltladen. Das sind nicht nur fair gehandelter Kaffee und Ökoklamotten. Auch jene witzigen
Taschen aus Getränkekartons, die man derzeit an den Schultern trendiger Frauen sieht, gibt es dort
zu kaufen. Wer im Weltladen einkauft, unterstützt die Erzeuger der Produkte in Ländern der Dritten
Welt - und macht sich selbst eine Freude.
Hell, modern und geräumig wirken die Räume des Weltladens in Herdern, auf deren Schaufenstern das
typische Logo des Dachverbandes zu sehen ist: Der Schriftzug "Weltladen" mit dem fröhlich wirkenden
Kringel um den Anfangsbuchstaben. Im Inneren erwartet den Kunden eine kleine Reise durch die
verschiedensten Kulturen unserer Erde.
Denn hier werden Produkte aus der ganzen Welt verkauft, die
zwar in jedem Supermarkt zu haben sind, jedoch eine ganz besondere Eigenschaft aufweisen: Alle
stammen aus fairem Handel. Ob Bananenchips aus Panay, Kaffee aus Nicaragua, oder Honig aus Mexiko -
mit jedem Verkauf wird dem Erzeuger ein sicheres Einkommen, vertretbare Arbeitsbedingungen und ein Leben in Würde ermöglicht. Die Lebensmittel stammen außerdem zum
großen Teil aus ökologischem Anbau. So wird nicht nur ein bestimmter Sozialstandard, sondern auch
der Schutz der Umwelt gewährleistet.
Neben den Produkten aus der Landwirtschaft verleihen Artikel wie Musikinstrumente, afrikanische
Figuren aus Holz oder Speckstein, Textilien aus Alpaca-Haar oder Geschirr aus Indien dem Laden einen
exotischen Flair. Der Erlös aus dem Warenverkauf deckt die Kosten des Ladens, Gewinne und
Spendengelder fließen in die Projekte des gemeinnützigen Vereins Allerwelt-Schachtel, zum Beispiel
in Schulprojekte in Lima und Nepal. Erst seit dem Sommer des vergangenen Jahres gibt es den
Weltladen in den 50 Quadratmeter großen Räumen in der Urbanstraße 15. Vorher war er mehrmals
innerhalb Herderns umgezogen.
Einen großen Teil zum Erfolg des Geschäfts haben sicher die rund 35
ehrenamtlichen Mitarbeiter beigetragen: Schülerinnen, Studenten, Hausfrauen, Berufstätige und
Rentner. "Ich finde, dass man, wenn man aus dem Berufsleben ausgestiegen ist, eine ehrenamtliche
Tätigkeit annehmen sollte und diese hier ist besonders sinnvoll", sagt eine Mitarbeiterin, die seit
September dabei ist.
Nur 0,7 Prozent der Kaffeetrinker kauft fair gehandelte Ware
Die Anzahl der bisher ungefähr 800 deutschen Weltläden - von denen 394 im Weltladen-Dachverband sind
- und die Anzahl der Kunden wächst. Dabei stecken Idee und deren Umsetzung noch in den
Kinderschuhen. Gerade mal 0,7 Prozent Marktanteil macht etwa fair gehandelter Kaffee in Deutschland
aus, obwohl Probleme wie Hunger, soziale Ausbeutung und Armut jedem bekannt sind. Ein Grund dafür
ist die Subventionierung der Landwirtschaft in den Ländern des Nordens, die Kleinbauern des Südens
in einen ruinösen Wettbewerb zwingt, da der Weltmarktpreis durch Überangebot nach unten gedrückt
wird.
In dieses System greift der faire Handel ein, jedoch ist dies nur durch die Hilfe der Verbraucher
möglich. In "Geiz ist geil"-Zeiten ist es besonders schwer, Menschen dafür zu gewinnen, einen
höheren Preis für ein Produkt zu zahlen.
Das gilt besonders für Artikel, die man zum täglichen Leben
braucht. "Ein fairer Preis für den Produzenten hat nun mal zur Folge, dass dem Kunden
weniger Geld
in der Tasche bleibt", sagt Daniel Neumann-Haefelin, der im Herdermer Weltladen mitarbeitet. Positiv
ist, dass die Weltladen-Kundschaft aus allen Gesellschaftsschichten kommt.
Auch junge Leute kaufen
hier oft Geschenke wie Schmuck aus Chile oder jene witzigen Saftpacktaschen ein, die Frauen auf den
Philippinen herstellen. Durch dieses Recyclingprogramm wirkt man auch dem dortigen Müllproblem
entgegen. "Man macht gleich zwei Menschen eine Freude", findet die 17-jährige Friederike Fische:
"dem Beschenkten und dem Erzeuger."
Immer wieder startet der Weltladen in Herdern Aktionen wie die Produktion des Apfel-Mango-Saftes:
Die Äpfel stammen von Streuobstwiesen am Kaiserstuhl, die Mangos von Kleinbauern auf den
Philippinen. So entsteht eine Verbindung zwischen den Bauern im Norden und im Süden, von der beide
Seiten profitieren.
Der Kauf fair-gehandelter Produkte ist eine für jeden zugängliche Chance, sich im Rahmen seiner
Möglichkeiten für eine gerechtere und menschenwürdigere Welt einzusetzen. Wem der Preis von 1,20
Euro für eine "saubere" Tafel Schokolade zu hoch erscheint, der möge sich das Prinzip "weniger ist
manchmal mehr" durch den Kopf gehen lassen, denn billig macht nicht satt. "Ich hoffe, dass Weltläden
einmal überflüssig sein werden, weil faire Handelsbeziehungen herrschen", sagt Daniel
Neumann-Haefelin.
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